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BERENTZEN
Firm No. 11150000
23.7.2008
Der Apfelkorn-Hersteller Berentzen wird an einen Finanzinvestor verkauft. Die börsennotierte Münchner Industriehholding Aurelius will 75,1 Prozent der Anteile an dem Haselünner Spirituosenkonzern erwerben.23.7.2008 0:00 Uhr
Über den Kaufpreis haben die Beteiligten Stillschweigen vereinbart. Die
Kartellbehörden müssen allerdings noch ihre Zustimmung zu der Transaktion
geben. Dies gaben beide Unternehmen gestern in nahezu gleich lautenden
Erklärungen bekannt.
Die verbleibenden 24,9 Prozent der Stammaktien des Unternehmens sollen
weiter im Besitz von Familiengesellschaftern bleiben. Den Inhabern von
nicht-stimmberechtigten Vorzugsaktien hat Aurelius ein Übernahmeangebot von
2,68 Euro pro Aktie gemacht.
Mit der Einigung über den Verkauf findet ein langwieriger
Entscheidungsprozess der Alteigentümer von Berentzen ein Ende. Zuletzt
hatten die Mitglieder der Gründerfamilie Berentzen, die bisher zwei Drittel
der Unternehmensanteile hielten, ihre Zustimmung zu dem Deal verweigert.
Nach Auskunft von Aurelius-Chef Dirk Markus endeten die Verhandlungen in der
Nacht zum Dienstag mit einem Kompromiss. Danach wird sich die Düsseldorfer
Pabst-Richarz- Gruppe, die einst die Schnaps-Marken Bommerlunder und
Dornkaat zum Konzern beisteuerten, komplett aus dem Kreis der Gesellschafter
verabschieden.
Aurelius will nach den Worten ihres Vorstandschefs Markus das Markengeschäft
des 250 Jahre alten Traditionsunternehmens weiterführen. „Alte Klassiker wie
Bommerlunder und Dornkaat wollen wir nach dem Vorbild der Marke Jägermeister
zu Szene- und Lifestyle-Getränken ausbauen“, beschrieb Markus gestern in
einer Telefon-Konferenz mit Journalisten seine Vorstellungen. Auch die
Internationalisierung soll nach dem Vorbild des Wolfenbütteler Kräuterlikörs
vorangetrieben werden. Jägermeister befindet sich inzwischen als einzige
deutsche Spirituose und mit deutlichem Abstand zu den heimischen
Mitbewerbern unter den Top Ten der weltweit meistgetrunkenen Spirituosen.
Der Aurelius-Chef will mit dem bisherigen Berentzen-Management unter Axel
Dahm über eine möglich Fortführung seiner Tätigkeit verhandeln. Ob es einen
Jobabbau geben wird, ist offen. „Wir hoffen, dass das Unternehmen mit seinen
Arbeitsplätzen erhalten bleibt“, sagte eine Sprecherin der Gewerkschaft NGG.
Die Münchner Industrieholding Aurelius hat in der Vergangenheit zahlreiche
Beteiligungen an teilweise maroden Unternehmen erworben. Berentzen hatte
zuletzt bei einem Jahresumsatz von 186 Millionen Euro einen Verlust von über
elf Millionen Euro erwirtschaftet.ire (HB)
(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 23.07.2008)