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SIEGER HCH

Firm No. 28163000

Zülpich

Infos am Ende Der Seite


     
  Number of Firm.: 28163000

_____Bottle Nr. :  0121840

_Inhalt: BEERE

Menge: 0,04l

_ ALK: 25 Vol.%

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Ganz Zülpich roch nach Sieger-Korn

Erstellt 06.05.2013
 
 
Die Sieger-Brennerei war in der Zülpicher Landesburg untergebracht. Bis 1986 wurde dort Korn gebrannt. (Foto: Stadtarchiv Zülpich) 
„Als der letzte Tankwagen vom Hof rollte, hatte ich Tränen in den Augen“, sagte Hans Flink. Das war im November 1986. Er war Destilliermeister in Zülpich – genauer gesagt bei der Firma Sieger. Die stellte bis zu 3000 Liter Schnaps am Tag her. Flink war Destilliermeister in Zülpich – genauer gesagt bei der Firma Sieger. Die hatte ihren Sitz in der alten Zülpicher Burg und stellte dort bis zu 3000 Liter Schnaps am Tag her. Das Stück Römerstadt-Geschichte, das 1986 zu Ende ging, nahm im Jahr 1814 seinen Anfang. 172 Jahre Geschichte, Geschichten und Anekdoten, die bei der „Geschichtswerkstatt“ des Zülpicher Geschichtsvereins auf den Tisch kamen." Genau in den vier Wänden, in denen früher die Pumpstation der Brennerei untergebracht war, plauderten drei ehemalige Mitarbeiter aus dem Nähkästchen. Unter ihnen auch der Zülpicher Geschichtsexperte Franz-Josef Schulte. Als Namensvetter Franz-Josef Sieger 1814 die gleichnamige Brennerei gründete, arbeitete Franz-Josef Schulte natürlich noch nicht für die Firma. Dennoch konnte Schulte einiges über die Firmengeschichte erzählen. Und natürlich berichtete Schulte, der jahrzehntelang bei Sieger in der Verwaltung arbeitete, auch von eigenen Erfahrungen.

Den Anfang machte der ehemalige Prokurist mit einem chronologischen Überblick über die Firmengeschichte. „Franz-Josef Sieger war 1814 schon in der Landwirtschaft aktiv und betrieb eine Mühle bei Bergheim. Er suchte nach einer Erwerbsquelle, die anfallenden Getreideüberschüsse nutzbringend zu verwerten“, sagte Schulte. Aus diesen Überlegungen heraus habe er schließlich die Kornbrennerei gegründet. Nützlich seien Sieger dabei durchaus die Kenntnisse seines Schwiegervaters und seiner Frau Ottilie Dittges gewesen, die schon eine Brennerei in Familienbesitz hatten. Sieger nutzte das gepachtete Klostergut in Füssenich zur Spirituosenherstellung. Als der Firmengründer 1833 starb, übernahm Sohn Heinrich Xaver die Geschäfte und fand sein Liebesglück in der benachbarten Römerstadt. Schulte: „Im Jahre 1847 ehelichte er Margarete Catharina Wach-endorff. Sie war die Tochter des Zülpicher Bürgermeisters Hermann-Josef Wachendorff, dem auch die Zülpicher Burg gehörte.“ Mit der Eheschließung habe Sieger Junior die Kornbrennerei in die Räume der Burg gelegt. Wenig später sei vor allem der Korn „Alter Sieger“ weit über die Grenzen der Römerstadt bekannt geworden. „Im Zweiten Weltkrieg wurden große Teile der Burg und damit der Brennerei zerstört. Es wurde aber gleich mit dem Wiederaufbau begonnen“, erzählte Schulte den 40 Zuhörern. Gekostet habe das Ganze rund eine Million Mark. 1959 übernahm Gunther Sieger die Firma, die er grundlegend modernisierte. Schon bald habe die Brennerei das zweithöchste Brennvolumen in Deutschland gehabt. „Zum 150. Firmenjubiläum wurde der Sieger-Schnaps in ganz Zülpich für zehn Pfennig verkauft“, erinnerte sich Schulte. Dies sei bei den Leuten sehr gut angekommen.

Nach der geschichtlichen Zeitreise übernahm Dieter Mauß. Mauß war ab 1957 der Brennmeister bei Sieger. „5400 Kilo Getreide wurden im Durchschnitt pro Tag verarbeitet“, so Mauß. In den Silos lagerten bis zu 400 000 Kilo Getreide, das mitunter sogar aus Kanada oder den USA angeliefert worden sei. Zur Herstellung des Korns musste das Getreide – relativ früh im Herstellungsprozess – gekocht werden. Mauß: „Das war recht geruchsintensiv. Je nach Wind roch ganz Zülpich nach Sieger-Korn.“ Der Brennmeister erinnert sich auch heute noch an eine technische Besonderheit an den Kesseln: den Weingeistzähler. „Der Zoll konnte damit errechnen, wie viel Liter Alkohol aus dem Getreide hergestellt werden kann und ob nicht jemand heimlich etwas zu oft gekostet hat“, so Mauß. Das Ergebnis habe zu dem Zeitpunkt aber eh noch nicht gut geschmeckt. Mauß: „Das war 96,5 prozentiger Alkohol. Das ging gar nicht.“ Zwei Jahre nach dem neuen Brennmeister in Person von Mauß kam auch ein neuer Destillateur nach Zülpich: Hans Flink. „Mein erstes Bewerbungsgespräch hatte ich noch bei Ernst Sieger. Eingestellt hat mich dann aber schon Gunther Sieger“, erinnerte sich Flink. Er habe den Betrieb vor Dienstantritt nie gesehen und sich am ersten Tag gedacht: „Oh Gott, wo bin ich denn hier gelandet?“

 
„Alte Sieger“: Die ehemaligen Angestellten der Brennerei in Zülpich  Dieter Mauß (Brennmeister/v.l.), Hans Flink (Destilliermeister) und Franz-Josef Schulte (Verwaltungschef) 

plauderten aus dem Nähkästchen. (Foto: Steinicke)
 

Der neue Destilliermeister konnte den neuen Chef Gunther Sieger von einer grundlegenden Modernisierung überzeugen. Allein die Eichung aller Fässer durch den Zoll habe mehr als einen Tag gedauert. „Die neue Abfüllanlage konnte 4000 bis 5000 Flaschen in der Stunde befüllen. Das war sogar zu viel für die Etikettieranlage“, so Flink. Die Modernisierung habe dem Unternehmen aber sehr gut getan. Die Produktpalette sei umfangreicher geworden. „Der klassische Sieger-Korn ist bis heute die am häufigsten höchstausgezeichnete Spirituose in Deutschland“, so Flink. Umso schlimmer sei es gewesen, als der Betrieb, bei dem gut 30 Angestellte arbeiteten, verkauft wurde. 1980 wurde aus Sieger May, auch wenn die Marke „Alter Sieger“ ihren Namen behielt. Die Firma wechselte samt allen Rezepten den Besitzer. „Ich habe sie aber noch heute im Kopf“, sagte Flink. Der ehemalige Brennmeister Mauß wusste noch zu berichten, dass „Alter Sieger“ auch heute noch gebrannt werde: in Goch am Niederrhein.

Am Ende der Geschichtsstunde überraschte Helmut Meyer vom Zülpicher Geschichtsverein alle Anwesenden mit einer original „Sieger-Abdeckung eines Brennkessels, den er im Internet erstanden hatte.

Die Vorsitzende des Geschichtsvereins, Margrit Adams-Scheuer, wusste zum Abschluss noch eine Anekdote zu berichten. „Der Legende nach bin ich mit Sieger-Korn getauft worden. Nach der Kirche ging’s heim, und dann gab es die „Zöölche Däuve“ und mir wurde Korn übers Haupt gegossen“, sagte Adams-Scheuer und rundete damit einen sehr unterhaltsamen Abend ab.